Chalandamarz
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Rumantschia

Das romanische Sprachgebiet ist reich an alten Brauchtümer heidnischer, römischer und altchristlicher Herkunft, die noch heute in den verschiedenen Talschaften gepflegt werden. Das Chalandamarz ist ein volkstümliches Kinderfest, das im Engadin, Münstertal, Bergell, Puschlav, Oberhalbstein und Albulatal gefeiert wird. Der Brauch wird am 1. März gefeiert. Nach römischen Kalender galt der 1. März (< CALANDAE MARTII) als Jahresanfang. An diesem Tag zieht die Schuljugend mit Schellen und Kuhglocken, teilweise mit farbenfrohen Papierblumen geschmückt, durch die Strassen und Gassen und vertreibt mit Frühlingsliedern den Winter. Am Abend findet der Chalandamarzball statt. Der Chalandamarz-Umzug entspricht einem Alpaufzug. Der Brauch wird der uralten Gruppe der Lärmumzüge zugewiesen, deren ursprünglicher Sinn u. a. auch im Aufwecken der Fruchtbarkeit lag. Die wohl schönste Darstellung dieses Frühlingsfestes der Schuljugend schildert das berühmte Kinderbuch „Uorsin“ von Selina Chönz und Alois Carigiet.
Fasnacht/Tschaiver wird v. a. in den katholischen Regionen Romanischbündens gefeiert. Das Maskeradenlaufen – ein heidnischer Brauch zur Vertreibung des Winters – hat in Domat/Ems besonders Tradition. Der Tscheiver endet hier mit dem „Schmutzigen Donnerstag“ und nicht mit dem Aschermittwoch. Seine Höhepunkte sind „margis bel“ (schöner Dienstag) und „gievgia grassa“ (fetter Donnerstag). Heute hat auch die Emser Fasnacht mehr Allerweltscharakter.
Der Hom Strom (Strohmann) wird am 1. Februarsamstag an der Gerichtstätte in Scuol verbrannt. Es ist unklar, ob dieser uralte Brauch die symbolische Vertreibung des Winters bedeutet oder ob er auf den weltweiten Urgebrauch der Sonnenanbetung zurückgeht.
In Tschlin und in Ramosch (Engadin) feiert man jedes Jahr während drei Tagen die „Mattinadas“. Das Fest richtet sich an Gross und Klein. Am 2. Januar ziehen die Kinder mit einem von den Mädchen mit Papierblumen geschmückten Schlitten durch das Dorf und sammeln die „mattinadas“ (allerlei Hausgebäck). Am Mittag wird gespeist, am Nachmittag und am Abend getanzt. Um Mitternacht wird die Kinderschar wieder zu Tisch gebeten und bekommt Schlagrahm, „fuatscha grassa“ und „grassins“ (Engadiner Buttergebäck). Auch die Jungmannschaft männlichen Geschlechts sammelt am 2. Januar die „mattinadas“. Ihr Fest mit Schmaus fand ursprünglich am 3. Januar statt, heute gewöhnlich am darauf folgenden Samstag.
Ebenfalls ein Brauchtum der engadinischen Jugend ist die Schlitteda/Schlittada dessen Ursprung unbekannt ist. Es handelt sich um ein Vergnügungsfest ohne historischen Hintergrund. Die Burschen spannten an einem Januarsonntag die Pferde vor den Schlitten, um dann mit einem Mädchen von Dorf zu Dorf zu ziehen, zu irgendeiner Gaststätte, wo man es sich bei Speise, Trank und Gesang ein paar Stunden wohl sein liess. Heute nehmen auch verheiratete Paare an der Schlitteda teil, die v. a. im Oberengadin zur touristischen Attraktion geworden ist.
In Salouf (Albulatal) und im katholischen Vorderrheintal ziehen um Epiphanie (6. Januar) die Sternsinger (Gruppen von Dreikönigen) durch die Dörfer und bringen singend die Weihnachtsbotschaft. In einzelnen Dörfern haben sich die Dreiergruppen zu einer grösseren Schar ausgeweitet, wobei jene von Breil/Brigels (Surselva) in Aufmachung und Gehabe einer der originellsten im ganzen Kanton Graubünden sein dürfte.
Einen Liebesbrauch pflegt man mit „trer schibettas“ in Danis-Tavanasa und Dardin (Surselva). Oberhalb der Dörfer werden am Abend des ersten Passionstags von Knaben und Burschen glühende Holzscheiben zu Tal geschleudert. Während dem Abschleudern wird die Scheibe einem Mädchen gewidmet. Nach Volksbrauch soll der Flug der glühenden Scheibe einiges über das sich ahnbahnende Liebesverhältnis aussagen.
Dies ist natürlich nur eine Auswahl aus dem bunten Strauss der bündnerromanischen Traditionen und Bräuche. Weitere Bräuche und Informationen darüber finden sich in der Informationsbroschüre Facts & Figures  und im Dicziunari Rumantsch Grischun.