Wappen der Drei Bünde
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Rumantschia
Im Jahr 15 v. Chr. eroberten Drusus und Tiberius – die Stiefsöhne des Kaisers Augustus – die alpinen Gebiete, die später die Provinz Rätien bilden sollten. Auch wenn es nicht ganz zutrifft, dass das Rätoromanische im Jahr 15 v. Chr. „geboren“ worden ist, haben die politischen Ereignisse dieses Jahres die Voraussetzung für das Entstehen jenes Zweiges des Vulgärlateins geschaffen, der im Laufe späterer Entwicklungen zu einer der neulateinischen Sprachen werden sollte.
Über die sprachlichen Verhältnisse, welche die Römer bei der Eroberung der alpinen Gebiete vorfanden, weiss man wenig. Es herrscht Konsens darüber, dass verschiedene Völkerschaften im Alpenraum zusammenlebten; Kelten und Räter scheinen die wichtigsten davon gewesen zu sein. Die Kelten gehören der indogermanischen Sprachfamilie an, die Einordnung der Räter ist umstritten. Heute überwiegt die Ansicht, die Räter seien nicht-indogermanisch. In den Tälern des heutigen Graubündens haben die Räter wahrscheinlich nur das Unterengadin besiedelt.
Für die Geschichte des Bündnerromanischen ist die Sprachsituation im Alpenraum zur Zeit der Romanisierung nur im Bereich der Toponomastik und in einem kleinen Teil des Appellativwortschatzes von Bedeutung. 2 – 2,5 % (400-500 Wörter von rund 20'000) der Bündnerromanischen Wörter sind vorrömisch, d.h. dass sie nicht auf lateinische Wurzeln zurück zu führen sind. Die vorrömischen Wörter gehören vorwiegend dem Bereich der Ausdrücke für Geländeformen, Fauna, Flora und Alpwirtschaft an. Einige Wörter sind bis heute erhalten: zB crap (Stein), grip (Fels), tschut (Lamm), ampuauna (Himbeere), alaussa (Traubenkirsche). Erstaunlich ist, dass ein grosser Teil der bündnerischen Dorfnamen vorrömischen Ursprungs ist (z.B. Ardez, Zernez, Brigels, Ilanz). Der Grossteil des bündnerromanischen Sprachguts hat (vulgär)lateinische Wurzeln.
Die Kontakte zum germanischen Norden, welche für die Geschichte des Bündnerromanischen bestimmend gewesen sind, setzten bereits in römischer Zeit ein. Die ersten Alemanneneinfälle fanden bereits in der Mitte des 4. Jh. statt. Durch politische und kirchliche Neuorientierungen erfolgte ab dem 8. Jh. eine kontinuierliche Germanisierung Rätiens. Auch in den Gebieten, in denen sich das Bündnerromanische halten konnte, wurde die Sprache durch das Germanische (Wortschatz, Morphologie, Syntax und Phonetik) relativ stark beeinflusst. Das Vordringen der Germanen löste eine ähnliche Sprachentwicklung aus, wie es einige Jahrhunderte zuvor das Lateinische gemacht hatte. Beispiele für germanisches Wortgut im Bündnerromanischen sind z.B. baud (bald < BALDA), guaud (Wald < WALDA) giavischar (wünschen < GAWUNSKIA).
Im 16./18 Jh. erfolgte die Verschriftlichung des Bündnerromanischen. Die entscheidenden Impulse für die Schaffung einer literarischen Sprache wurden durch die Reformation (ausgehend vom Oberengadin) und die katholische Gegenreformation gegeben.
Im 19. Jh. führte die verkehrstechnische Erschliessung der Bergregionen und der aufblühende Fremdenverkehr zu einer Gefährdung des Bündnerromanischen. Verschiedene Persönlichkeiten riefen die Büdnerromanen zur Verteidigung ihrer Sprache auf. Dies führte zu einer Neubesinnung der Werte der bündnerromanischen Sprache. 1938 wurde das Bündnerromanische von Volk und Stände als vierte Schweizer Nationalsprache anerkannt.