Die fünf ladinischen Täler: Gröden, Gadertal, Ampezzo, Buchenstein und Fassatal.
Quelle: Wikipedia
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Ladinien
Als Dolomitenladinisch wird jene Gruppe von Idiomen bezeichnet, die in den Tälern rund um die Sellagruppe gesprochen werden: Gadertalisch mit seinen drei Varianten: badiot (Obergadertal), ladin de mesaval (Mittelgadertal) und marou (Gemeinde Enneberg); Grödnerisch (Gröden); Fassanisch, das in die drei Varianten cazet (Oberfassanisch), brach (Unterfassanisch) und moenat (Mundart von Moena) unterteilt wird; Buchensteinisch, bei dem zwischen der Variante Fodom und der Variante von Colle Santa Lucia unterschieden wird. Dazu kommt noch Ampezzanisch, das Idiom von Cortina d'Ampezzo. Auch wenn letzteres Idiom sich in einigen Punkten von den anderen Varianten unterscheidet, kann es nicht zuletzt wegen des kulturhistorischen Hintergrunds, wegen linguistischer Gemeinsamkeiten und wegen der ideologisch-kulturellen Beziehungen dem Zentralladinischen zugeordnet werden.
Die ladinischen Idiome Badiotisch, Grödnerisch, Fassanisch und Ampezzanisch zeichnen sich nicht nur durch eine Reihe von ähnlichen sprachlichen Merkmalen aus, sondern können auch auf ein gemeinsames historisches Erbe und eine eigene besondere Kulturtradition verweisen. Die Merkmale der ladinischen Idiome genau zu definieren, ist ein langwieriges Unterfangen, da jede Variante ihre eigenen Besonderheiten aufweist. Große Schwierigkeiten ergeben sich auch dadurch, dass nicht alle Sprachforscher das Ladinische als eigene Sprache anerkennen, sondern die Idiome des Dolomitengebiets vielmehr den norditalienischen Dialekten zurechnen. Und das obwohl die oben genannten Varianten viel konservativer sind als die benachbarten Dialekte.
Um 1850 begann die wissenschaftliche Erforschung der ladinischen Sprache. Als erster Sprachforscher befasste sich der aus Görz stammende Graziadio Isaia Ascoli (1829-1907) ausführlich mit dem Ladinischen; 1873 veröffentlichte er sein Werk "Saggi Ladini", in dem er zum ersten Mal eine Definition des "Ladinischen" prägte und das ladinische Sprachgebiet in seinen Grenzen bestimmte. Nach Ansicht von Ascoli gehört das Dolomitenladinische zusammen mit Rumantsch und Furlan zu den drei ladinischen Sprachinseln.
Worin unterscheidet sich das Ladinische von den Sprachen der angrenzenden Gebiete?
Nach Ansicht von Ascoli sind für die genaue Definition des Ladinischen zwei Kriterien zu beachten: das gleichzeitige Auftreten und die richtige Kombination von bestimmten sprachlichen Merkmalen. Die als typisch ladinisch anerkannten Merkmale können auch in den angrenzenden Gebieten auftreten, dort kommen sie aber entweder in anderen Kombinationen oder seltener und in weniger intensiver Form vor. Diese Gebiete wurden vom Görzer Sprachforscher als Amphizonen bezeichnet.
Zu den typischen Merkmalen der ladinischen Sprache gehören:
- die Vokalquantität, d.h. das Auftreten von langen und kurzen Vokalen, wodurch sich bestimmte ähnlich klingende Wortpaare unterscheiden: z.B. ot (acht) – ôt (Mal) oder ros (Braun) – rôs (Rohre). Diese Unterscheidung ist vor allem für das Gadertalische typisch, das zu diesem Zweck auch die Verwendung des Zirkumflexes vorsieht;
- die Diphtongierung der langen lateinischen Vokale "e" und "o" in freier Silbe, z.B. im lateinischen Wort FOLIA(M), das im Ladinischen zu fueia wird, oder im Wort FOCU(M), das zu fuech wird;
- die Palataisierung des lateinischen C und G vor A zu "cia" und "gia": z.B. in den Wörtern ciasa (Haus) oder giat (Katze). Diese Eigenheit wird von allen Sprachforschern als eine der wesentlichen Merkmale des Dolomitenladinischen anerkannt;
- Beibehaltung der lateinischen Konsonantenkombination mit "L" in den Formen PL, BL, FL, CL und GL. Zum Beispiel in den Wörtern plajëi (< PLACERE) oder fle (< FLATU(M));
- der Rotazismus, d.h. der Wandel des intervokalischen "l" zu "r". Dieses Merkmal ist auf das Gadertalische und Ampezzanische beschränkt. Als Beispiel können in diesem Zusammenhang die Wörter poresc (< POLLICE(M)) oder scora (< SCHOLA(M)) genannt werden.