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Ladinien

Wenn man von der ladinischen Schule spricht, denkt man sofort an ein dreisprachiges Schulmodell mit den Sprachen Italienisch, Deutsch und Ladinisch. Diese Unterrichtsform wird im Gadertal und in Gröden praktiziert, wo man sich seit jeher mit den beiden wichtigen Nachbarkulturen auseinandersetzen musste. Bei Einführung des Schulmodells wurden fast alle Fächer in deutscher Sprache mit einigen Stunden Italienisch unterrichtet. Nach dem zweiten Weltkrieg wurde hingegen ein Schulsystem eingeführt, bei dem für beide Landessprachen die gleiche Anzahl von Unterrichtsstunden vorgesehen wurde. Dank der Anstrengungen des Vizeschulamtsleiters für die deutsche Schule, Josef Ferrari, konnte in den frühen 50er-Jahren ein von Grund auf erneuertes Schulmodell eingeführt werden, bei dem eine Hälfte der Fächer in italienischer und die andere in deutscher Sprache unterrichtet werden, wozu noch einige Stunden Ladinischunterricht hinzukamen, zumal ja die meisten Schüler ladinischer Muttersprache waren. So konnten alle Schüler sich mit der deutschen und mit der italienischen Kultur auseinandersetzen und gleichzeitig die beiden anderen Sprachen lernen, ohne die eigene Identität zu verlieren. Dieses Schulmodell wird heute von der ersten Grundschulklasse bis zur Matura angewendet.
Jedes Dorf hat mit Ausnahme von Kolfuschg seine eigene Grundschule, wo die Kinder die ersten fünf Schuljahre absolvieren. Dann erfolgt der Übertritt in die Mittelschule; im Gadertal gibt es eine Mittelschule in Stern für die Dörfer des Obergadertals, eine in St. Martin in Thurn für die Dörfer des Mittelgadertals und eine in St. Vigil in Enneberg für die Dörfer der Gemeinde Enneberg. In Gröden befindet sich eine Mittelschule in St. Ulrich und eine in Wolkenstein. Nach der Mittelschule können die Jugendlichen eine Oberschule besuchen; in Gadertal können sie zwischen der Handelsoberschule und dem Sprachenlyzeum wählen; in Gröden steht die Handelsoberschule mit den Fachrichtungen Betriebswirtschaft sowie Touristik und Sprachen und die Kunstlehranstalt mit den Fachrichtungen Bildhauerei, Malerei und Grafik zur Auswahl.
In den drei anderen ladinischen Tälern sieht das Schulsystem den Unterricht aller Fächer in italienischer Sprache und zusätzlich einige Stunden deutsche Sprache und Kultur sowie einige Stunden ladinische Sprache und Kultur vor. Dies ist auf die Tatsache zurückzuführen, dass das Fassatal, Buchenstein und Ampezzo zur Provinz Trient und Belluno gehören und daher historisch bedingt kein so großes Naheverhältnis zur deutschen Kultur besteht. Auch in diesen Tälern gibt es in jedem Dorf eine Grundschule, während die Mittelschulen zentral in den größeren Ortschaften zu finden sind. Die Schüler des Fassatals können vor Ort zwischen der Kunstlehranstalt und dem Schicollege mit Sprachenlyzeum wählen; zum Schulangebot in Cortina gehören die Kunstlehranstalt, die Handelsoberschule, das Sprachenlyzeum, das Realgymnasium und die Hotelfachschule. Die Schüler von Buchenstein müssen für den Besuch einer Oberschule entweder ins Gadertal oder Richtung Belluno fahren.
Bis vor Kurzem mussten alle angehenden LehrerInnen sich für eine Ausbildungssprache entscheiden, zumal es in keinem der fünf Täler ein pädagogisches Lyzeum gab. In den letzten zehn Jahren wurde in Brixen die Fakultät für Bildungswissenschaften mit einem eigenen Lehrstuhl für Ladinistik aufgebaut. Damit besteht nun eine Ausbildungsmöglichkeit für LehrerInnen, die an den ladinischen Schulen mit paritätischem System arbeiten wollen. Auch an der Fakultät für Bildungswissenschaften erfolgt daher der Unterricht für einige Fächer in deutscher und für andere in italienischer Sprache, wozu noch die Kurse in ladinischer Sprache kommen. Da an den Schulen des Fassatals, von Buchenstein und Ampezzo kein paritätischer Unterricht vorgesehen ist, müssen die LehrerInnen für diese Schulen an italienischen Schulen ausgebildet werden. Um in Kontakt zu bleiben und die Tür zur deutschen Kulturwelt offen zu halten, gibt es immer wieder Jugendliche, die sich an einer deutschen Oberschule oder an der Fakultät für Bildungswissenschaften in Brixen einschreiben.
Zur Unterstützung, Verwaltung und Weiterentwicklung der Schulen in Gröden und im Gadertal wurde für die ladinische Sprachgruppe in den 70er-Jahren das Ladinische Schulamt eingerichtet, das sich mit den verschiedenen Aspekten des Schulbetriebs befasst.
Für die Fortbildung der LehrerInnen und für die Ausarbeitung von Unterrichts- und Forschungsmaterialien steht der ladinischen Sprachgruppe der Provinz Bozen das Ladinische Pädagogische Institut zur Verfügung.
Im Fassatal werden die Lehrunterlagen von der Fassaner Sektion des O.L.F.E.D. ausgearbeitet, das für die Fortbildung des Lehrpersonals an den Schulen verantwortlich ist. In Buchenstein und Ampezzo gibt es noch keine Einrichtung für diese Aufgaben, daher müssen die LehrerInnen selbst die Unterlagen für den Ladinischunterricht erarbeiten, die sie für ihren Lehrplan brauchen.