"Your sweet is salty"
Skulptur von Gehard Demetz;
Foto by Egon Dejori


Der Begriff Kultur umfasst einerseits die verschiedenen Künste wie Literatur, Theater, Tanz, Musik, bildende Kunst und Film. Zur Kultur gehört aber auch die materielle und immaterielle Überlieferung; ebenso die Gestaltung des Lebensraums, die Ess- und Trinkkultur und das Alltagsleben im Allgemeinen. Ein erster gemeinsamer Anknüpfungspunkt der Rätoromanen Graubündens und der Dolomitenladiner bieten die Räter. Der aktuelle Forschungsstand zu diesem sagenumwobenen Urvolk und zur Eroberung der Alpen durch die Römer ist in zahlreichen Museen und Publikationen dokumentiert. Die einzelnen Stufen der Christianisierung und der politischen Entwicklung im Mittelalter ist unter anderem in Form von zahlreichen Kirchen, Klöstern und Burgen fassbar. Aus dem Alltagsleben haben sich zahlreiche Elemente der alpinen Kultur bis in unsere Zeit erhalten: Handwerkliche Traditionen, religiöse und weltliche Feste, berufliche und soziale Merkmale.
Das zentrale gemeinsame Kulturerbe der beiden Volksgruppen bildet zweifelsohne die Sprache selber. Deren mündlicher Gebrauch hatte und hat in erster Linie einen praktischen, alltäglichen Zweck; daneben diente er seit jeher auch der Überlieferung von Lied- und Erzählgut. Die ältesten rätoromanischen Schriftfragmente in der Rumantschia reichen in das 10. Jahrhundert zurück. Die literarische Tradition fasste in den rätoromanischen Tälern Graubündens im 16. und 17. Jahrhundert Fuß und zwar im Rahmen der Reformation und Gegenreformation. Im Gebiet der Dolomitenladiner finden wir die ersten schriftlichen Aufzeichnungen in ladinischer Sprache in der ersten Hälfte des 17. Jhd, die ersten literarischen Werke hingegen entstanden erst Mitte des 19. Jhd. Heute weisen die beiden Regionen eine beachtliche Vielfalt an Originalliteratur in den verschiedenen Idiomen und in Graubünden vermehrt auch in der Standardsprache auf.
Theater, Tanz, Volksmusik und Chorgesang sind Kultursparten, welche sich in der Rumantschia und in Ladinien im Rahmen der Volksbewegungen im 19. und frühen 20. Jahrhundert herausgebildet oder zumindest gefestigt haben. Heute bieten sie Gelegenheit zu vielfältigen kulturellen Anlässen und zur Pflege der rätoromanischen Wurzeln.
Kulturaustausch zwischen den Dolomitenladinern und der Rumantschia findet in verschiedenen Kultursparten statt, etwa in der Literaturszene, bei Musik- und Chorfestivals, aber auch in Form von Filmen und Berichten in den Massenmedien. Gerade auch neue und innovative Kulturprojekte im Bereich der Rock- und Pop-Musik oder der jungen Filmszene könnten noch vermehrt zu einem grenzüberschreitenden Austausch genutzt werden.

 

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