Antike Römersäule im Oberengadin
Foto: graubündenMULTIMEDIA


Geschichte

 

Die gemeinsamen Sprachwurzeln des Ladinischen und des Bündnerromanischen – die unter Philologen nicht unbestritten sind – reichen über 2000 Jahre zurück. Zu dieser Zeit besiedelten keltische und rätische Stämme Teile der heutigen Südostschweiz und der angrenzenden Alpentäler im Nordosten Italiens. Im Jahre 15 v. Chr. unterwarfen die Römer die genannten Gebiete und teilten sie der Provinz Raetia (später Raetia prima) zu.
Territorialpolitisch durchliefen die Siedlungsgebiete der Bündnerromanen und der Dolomitenladiner nach dem Zerfall des Römischen Reiches sehr unterschiedliche Entwicklungen. Zu intensiveren Kontakten zwischen den beiden Sprachgruppen kam es erst wieder viele Jahrhunderte später, nämlich im ausgehenden 19. Jahrhundert. Einerseits beschäftigten sich damals Philologen mit den Ähnlichkeiten der beiden Sprachen, andererseits führte die zunehmende Bedrohung der beiden Kleinsprachen zu einer Annäherung der Sprachgruppen. In Graubünden kulminierte die daraufhin einsetzende Sprachbewegung (die sogenannten „Renaschientscha rumantscha“) 1938 in der Anerkennung des Rätoromanischen als vierter Landessprache der Schweiz. Ladinien, das bis dahin zum Habsburgerreich gehört hatte, kam nach dem Ersten Weltkrieg zu Italien und geriet in den 1920er Jahren in den Sog des Faschismus: Ladinisch wurde zum italienischen Dialekt erklärt, das Sprachgebiet auf drei Provinzen aufgeteilt. Diese Dreiteilung besteht heute noch.
Die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts hat für beide Sprachgruppen zu einer Verbesserung der sprachpolitischen Situation geführt. Für die Region Trentino-Südtirol ist hier das erste Autonomiestatut des Jahres 1948 mit dem die Ladiner als Volksgruppe anerkannt wurden  zu nennen, 1951 wurden dann die Ladiner, mit Dekret des Präsidenten der Republik als Sprachgruppe definiert. In Durchführung des Autonomiestatutes wurde das so genannte paritätische Schulsystem in Gröden und Gadertal eingeführt. Mit dem zweiten Autonomiestatut von 1972 wurden die Rechte für die Volksgruppe nochmals verbessert. Für die Bündnerromanen bildeten die Revisionen der Bundesverfassung (1996/2000) und der Kantonsverfassung (2003) sowie das Inkrafttreten des kantonalen Sprachengesetzes (2008) wichtige Meilensteine. Aktuell befindet sich ein Sprachengesetz auf Bundesebene in Erarbeitung. Wichtige Unterstützung bietet zudem die Charta der Regional- und Minderheitensprachen des Europarates (von der Schweiz 1997 ratifiziert, von Italien 2000 unterschrieben). Allen sprachpolitischen Bestrebungen zum Trotz sind die Bevölkerungszahlen für beide Sprachgruppen rückläufig (Stand 2000: ca. 60'000 Rätoromanen; ca. 30'000 Ladiner). Diese Entwicklung hängt zum Teil mit den allgemeinen demografischen Trends zusammen.

Sie zeigt aber auch klar die Notwendigkeit aktueller Förderungsmassnahmen.

 

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