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Ortschaften Ladinien

Geografisch liegt Ladinien genau an der Schnittstelle zwischen den zwei Regionen Trentino-Südtirol und Venetien. Vom Sellamassiv (3.152 m) zweigen die vier Dolomitentäler ab: nach Südwesten das Fassatal, nach Nordwesten das Grödnertal, nach Nordnordosten das Gadertal mit dem Seitental von Enneberg, das sich im Nordosten anschließt, und nach Südosten das Buchensteintal mit Colle Santa Lucia. Zu diesen Tälern kommt im Osten noch das Becken von d'Ampezzo hinzu.
Insgesamt umfasst Ladinien 18 Gemeinden: in der Provinz Trient (Trentino-Südtirol) die 7 Gemeinden des Fassatals (Moena, Soraga, Vigo, Pozza, Mazzin, Campitello und Canazei), in der Provinz Bozen (Trentino-Südtirol) die 3 Grödner Gemeinden (Wolkenstein, St. Christina und St. Ulrich) und die 5 Gemeinden des Gadertals (Corvara, Abtei, Wengen, St. Martin in Thurn und Enneberg) und in der Provinz Belluno (Venetien) die Gemeinden Buchenstein, Colle Santa Lucia und Cortina d'Ampezzo.
Die typisch alpine Landschaft mit zwischen 2000 und 3000 m hohen Bergen und schmalen und steilen Tälern hat die Siedlungsstruktur und die Kultur dieser Täler maßgeblich geprägt. Dörfer wurden zwischen einer Felswand und der anderen angesiedelt, die Verbindungswege zwischen den Ortschaften sind steil und kurvenreich. Worte wie "Horizont" oder "unendlich" fehlen, dafür gibt es besondere sprachliche Wendungen zur Bezeichnung der Wege und Steige oder Gelände- und Landschaftsformationen in der Umgebung, in der sich die Menschen bewegen. Diese Begriffsvielfalt mit den z.B. je nach Konsistenz unterschiedlichen Bezeichnungen für Schnee prägt das Weltbild dieser Bergregion.
Über die Passstraßen mit den vier wichtigen Dolomitenpässen, Grödner Joch, Sellajoch, Pordoijoch, Campolongo-Pass sowie über den Falzaregopass und Giau-Pass sind die einzelnen ladinischen Täler miteinander verbunden, während die nahe gelegenen deutsch- und italienischsprachigen Gebiete jeweils über die breiten und bequemeren Talstraßen zu erreichen sind.
Erst mit der Entwicklung des Fremdenverkehrs entstanden größere Ortschaften. Solange die Bevölkerung nur in der Landwirtschaft tätig war, lagen die meisten Höfe überall verstreut auf halber Höhe. In den bekannten Viles wohnten ursprünglich mehrere Familien, die im Wesentlichen autark waren, da sie über alle Einrichtungen für ihr Überleben verfügten; in einigen gab es sogar eine kleine Kapelle und in manchen auch eine Schule. Heute befinden sich die öffentlichen Einrichtungen, vor allem die Schulen und die Einrichtungen des Gesundheitsdienstes, alle in der Dorfmitte oder – wenn diese nicht zentral angeboten werden – in einem der Dörfer der Gemeinde; auch die Bevölkerung tendiert heute dazu, ihre Häuser in Dorfnähe zu bauen.
Die fünf Täler weisen ganz unterschiedliche geografische Merkmale auf: Das Gadertal und das Fassatal erstrecken sich beide über eine Länge von ca. 40 km, wobei das Gadertal im oberen Abschnitt U-förmig und im unteren Abschnitt V-förmig verläuft; das Fassatal verläuft hingegen flacher und breiter am Talboden mit steilen Berghängen zu beiden Talseiten. Das Buchensteintal und das Grödnertal sind kürzer, wobei das erstere schmäler und steiler ist als das Grödnertal. Ampezzo wiederum liegt in einem zur Gänze von Bergen und Gipfeln umgebenen Talbecken.
Die wichtigsten Flüsse sind der Avisio im Fassatal, der Grödnerbach (Derjon) im Grödnertal, die Gader im Gadertal, der Cordevole in Buchenstein und der Boite in Ampezzo. Jeder dieser Flüsse hat verschiedene größere und kleinere Zuflüsse aus Seitentälern, die teilweise bewohnt sind, so z.B. Enneberg, das ein Seitental zum Gadertal bildet. Teilweise gibt es in diesen Seitentälern nur Sommeralmen, z.B. im Valle di San Nicolò im Fassatal.
Rund um das Sellamassiv entstanden höchst bekannte Fremdenverkehrsorte; der Zusammenschluss der Aufstiegsanlagen der Orte Canazei, Wolkenstein, Corvara und Arabba zu einer Schischaukel, ermöglicht den Schifahrern den raschen Wechsel von einem Tal zum anderen. Im Herzen der Täler befinden sich hingegen die typischen kleineren Dörfer mit dem vom Handwerk geprägten Ortsbild und die großen Ortschaften mit den Kultureinrichtungen. Dazu gehören St. Martin in Thurn mit dem Museum und dem Kulturinstitut, Vigo di Fassa ebenfalls mit Museum und Kulturinstitut oder Colle Santa Lucia, wo auch ein Kulturinstitut eingerichtet ist.